Sardinien 2017; 15 Eindrücke Sardischen Lebensgefühls und was ich daraus gelernt habe

Kein Travel Diary und auch kein Touristik Guide. Obwohl ich leider viel zu wenig Zeit auf dieser wunderschönen Insel verbracht habe, hab ich doch einige Eindrücke gewonnen. Eindrücke, die mit mir etwas gemacht haben, mich näher zu mir und ein großes Stück weiter auf meiner Reise gebracht haben. Ich glaube, dass jeder diesen Ort hat, an dem er ankommt. Und von einer Sekunde auf die andere alles klar ist, alles Sinn macht: Mein Ort ist Sardinien.

STOLZ
Sarden sind stolz. Das ist wohl der erste Eindruck, den man gewinnen kann. Zumindest ging es mir so. Voll und ganz hinter sich, was sie tun, wer sie sind und woher sie kommen zu stehen, bildet die Basis. Sie sind stolz auf sich selbst, ihre Herkunft, das eigene Land – ihre Wurzeln.
Stolz hat nichts mit Egoismus zu tun. Warum sollte man nicht stolz auf sich und seine Herkunft sein? Das ist es, was einen Menschen ausmacht – seine Wurzeln und seine Geschichte. Jeder Schritt, jeder Erfolg, jeder Fehler. Der Wert, den man sich selbst beimisst, entscheidet maßgeblich darüber, mit welchem Wert andere Menschen einen selbst behandeln. 

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Red Rocks, Sardegna

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AUS VOLLEM HERZEN
Hier ist alles laut. Das Lachen, Gespräche, Gefühle. Das Temperament der Sarden macht aus, dass sie aus vollem Herzen lachen, wenn sie lachen. Dass sie leiden, wenn sie traurig sind. Dass sie nicht verbergen können, wenn sie wütend sind. Leben ist laut. Und was man nicht aus vollem Herzen tut, tut man besser gar nicht. Das Leben ist zu kurz, sich nicht voll und ganz darauf einzulassen und immer mit angezogener Handbremse zu leben. Was soll passieren? Alles, was man riskiert, ist eine Erfahrung. 

LACHEN
Alles hier lacht. Denn es ist eins der wichtigsten Dinge, auf dem Weg zu einem glücklichen Leben. Mit sich, aber auch mit anderen. Lach für dich, über dich und mit anderen – so oft und so viel du kannst. 

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SPRACHE
Neben einem Lächeln, was hier immer immer immer verschenkt wird, ist die nächste Verbindung zwischen zwei Menschen das Wort. Aber Sprache ist mehr als nur Wörter. Sprache ist Ausdruck, Gefühl, Verbindung, Innenleben, Subtext, Gesten, Handlungen, Kommunikation, Mimik. Also wähle deine Sprache mit Bedacht, denn nur so drückst du dich anderen aus. 

MUSIK
Mal laut, mal leise, mal schnell, mal ganz ruhig und ganz viele Menschen, die einfach so aus dem nichts anfingen zu singen und zu tanzen. Und ich liebte das! Dieses losgelöste, das freie. Ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, ob der Ton getroffen oder der Schritt im Takt war. Einfach da sein, du sein, erleben und bei dir sein. Sing und tanz, wann immer dir danach ist und gib nichts darauf, was andere denken könnten. Im Leben ein bisschen verrückt zu sein erleichtert so einiges.

URSPRÜNGLICHKEIT
Ich hatte das Gefühl, als wäre hier so vieles auf ganz viel Einfachheit aufgebaut. Nicht viele große Autos, schlicht gestaltet, belassene Natur. Als würde man sich hier nicht dem „höher – schneller – weiter“ Trend ergeben, sondern sich auf altbekannte Werte und Strukturen besinnen. Ich mochte das! Die Ruhe, konservatives, eingespielte Strukturen, die Bedeutung der Familie und Werte, die viel zu sehr in Vergessenheit zu geraten scheinen.

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DANKBARKEIT
Nicht erst dann, wenn man ein materielles Ziel erreicht hat. Sondern vor allem für ganz alltägliche Dinge, wie Gesundheit – die eigene und die derer, die einem wichtig sind – das Zuhause, die Freiheit so leben zu können, wie man gerne lebt. Dinge, die für viel zu selbstverständlich vorausgesetzt werden, solange man sie hat. Dankbar zu sein, für jede Kleinigkeit, die das eigene Leben ausmacht – nicht erst, wenn man etwas verloren hat. Den Wert von etwas oder jemandem erkennen. Denn Dankbarkeit ist der Schlüssel zu Gelassenheit und Gelassenheit der, zu einem ausgeglichenen Leben.

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AUFMERKSAMKEIT
Was vor Dankbarkeit steht und fast noch wichtiger ist, ist Aufmerksamkeit. Alles wahrzunehmen, jede Kleinigkeit. Da zu sein, in diesem Moment. In jedem Moment. Bewusstsein. Das ist etwas, was mir sehr am Herzen liegt. Auf dieser Insel, umgeben von den Menschen dort und deren Mentalität, fiel es viel leichter. Wahrscheinlich muss man es auch im Alltag schaffen aufmerksam mit sich und seiner Umwelt umzugehen, weil das Kraft schenken und erfüllen kann. Mit Zufriedenheit. Oder zumindest immer wieder Momente und Pausen einbauen, in denen man bewusst durchatmet und die Kleinigkeiten wahrnimmt. Innehalten.

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OFFENHEIT
Die Menschen auf Sardinien sind wahnsinnig offen. Sie sind hilfsbereit und haben sowohl Zu- als auch Vertrauen in ihre Umgebung und Mitmenschen – aus der Gewissheit heraus, dass alle es gut miteinander meinen, ohne Vorverurteilungen. Steht beispielsweise jemand mit qualmender Motorhaube am Wegesrand, wird angehalten und Hilfe angeboten – ohne Zweifel oder Angst, dass diese Person vielleicht aus Berechnung handelt.  Ständige Zweifel an anderen und Gedanken über andere raubt nur der eigenen Freiheit Zeit und Platz. Denn welche Gründe sollte es geben, nicht offen sein zu können? – mit sich und anderen gegenüber.  

INNERE ZUFRIEDENHEIT & INNERER FRIEDEN
Zuerst fiel mir auf, wie aufrichtig sich die Menschen dort für andere freuen können – egal ob für Familie, Bekannte oder Fremde. Sie interessieren sich für andere, nehmen teil, freuen sich für sie und noch mehr wenn sie zu deren Freude beitragen konnten. So machen sie die Freude anderer auch ein bisschen zur eigenen. Aber ehrliche Freude für andere ist nur möglich, wenn man Freude bei sich findet. Wenn man zufrieden ist mit sich, mit der eigenen Welt – wenn man im Reinen mit sich ist. Wenn man mehr Zeit in sich und das eigene Glück investiert, als in Vergleiche mit anderen.  

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DAS ICH & DAS WIR
Es ist wichtig sich als Teil von etwas zu fühlen, an einem Ort, wo man hingehört. Angenommen für den, der man ist. Und genauso wichtig ist es, zu wissen, wer man ist und das auch zu sein. Man selbst zu sein bevor man für jemand anderen etwas ist. Man selbst zu sein, ohne dabei egoistisch zu sein.

ARBEIT
Man sagt, es gibt Menschen, die leben, um zu arbeiten und andere, die arbeiten, um zu leben. Und dass zweiteres eher auf die südländische Mentalität zutrifft. Nach allem, was ich gesehen habe, stimmt das. Zwischen 13 und 16 Uhr braucht man gar nicht erst versuchen in Läden jmd anzutreffen – Siesta! (Ausgenommen Gastronomie und große Supermärkte). Trotzdem: Die Menschen arbeiten. Sie arbeiten hart, wenn es sein muss und sie arbeiten gerne. Sie sind sich nicht zu schade, sie wollen ihren Beitrag leisten. Aber sie arbeiten nicht stumpf, nicht ohne Sinn. Nicht, nur um Geld zu verdienen, aber keine Zeit mehr haben, es für etwas auszugeben, das sie glücklich macht. Jede Tätigkeit, jeder Job hat Seiten, oder auch Phasen, die nicht nur positiv, schön und rosa sind. Arbeit ist Arbeit. Aber all die Zeit, die man damit verbringt, sollte man in etwas investieren, das einem am Herzen liegt, Spaß macht und worin man einen Sinn für sich selbst sieht. Ganz egal was das ist! Viele streben nach einem glücklichen Leben – ziehen aber beim Job eine Grenze, weil „es eben Arbeit ist“. Arbeit muss auch Teil des eigenen, glücklichen Lebens sein. Stressige, anstrengende und negative Phasen ausgenommen – sitzt man täglich mehrere Stunden ab, verliert man Lebenszeit und macht sich selbst unglücklich. Eine Arbeit, die einen im groh glücklich macht hingegen, ist auch die schlechten Zeiten wert. Es gibt immer einen Weg! 

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DIREKTHEIT
Hier nimmt niemand ein Blatt vor den Mund. Ehrlich und direkt sein zu können rührt von Stolz, von Selbstbewusstsein. Warum? Weil man zu sich steht, zu seiner Meinung, seiner Einstellung, seiner Art – zu allem, was man ist. Man muss sich vor niemandem klein machen oder in einer Art beeinflussen lassen, die gegen die eigene geht, nur um dessen Einstellung nicht zu tangieren oder ihn nicht zu enttäuschen. Das ist keine böse Absicht, sondern jeder hat das Recht dazu, er selbst zu sein und dazu zu stehen. Niemand sollte die Macht haben, dass man ihm zuliebe (zu sehr) zurücksteckt bzw. sich verstellt. 

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ESSEN
Gutes Essen. Viel! Viel verschiedenes. Gemeinsam! Und manchmal stundenlang. Denke ich an Sardinien, denke ich ganz schnell an große Familien um einen noch größeren Tisch versammelt, laut, lachen, erzählen, gestikulieren und ganz, ganz viel Essen, das nicht einfach nebenbei verschlungen, sondern Teil des Moments, der genossen wird, ist. Und all die kleinen Läden waren bezaubernd. Diese, in denen einem ein Stück Käse wie ein Geschenk überreicht wird, mit strahlendem, erwartungsvollen Gesicht während man es probiert. Vor lauter Stolz auf die Qualität, auf die eigene Herstellung. Essen verbindet. Menschen – denn zusammen zu kommen, um gemeinsam zu essen, zu erzählen, zu lachen – an einem Tisch zu sitzen – macht glücklich. Und in jedem einzelnen. Essen ist der Treibstoff für alles in uns – unsere Gesundheit, Fitness, Aufgaben, Pläne, Ziele, Träume. Essen ist ein Teil dessen, gut zu uns selbst zu sein. 

∞ LEBEN ∞
Als letzten und wichtigsten Punkt: das Leben leben. Wenn mir die Insel, die Menschen, die Mentalität eins beigebracht hat, dann das. Lebensgefühl, pure Lebensfreude. Zu handeln und zu lenken, aber Dingen auch ihren Lauf zu lassen. Vertrauen in das Leben zu haben. Dass es zu kurz ist, um nicht ganz bei sich zu sein, sich nicht darauf einzulassen und es voll und ganz mitzunehmen. Sich mitnehmen zu lassen! Für seine Ziele und Träume zu arbeiten, aber all die schönen Kleinigkeiten dazwischen vor lauter Fokus nicht nicht wahrzunehmen. Menschen in das eigene Leben zu lassen, Nähe zuzulassen, aber sich selbst dabei nicht zu verlieren, nicht klein machen, nicht beeinflussen lassen. Dass das Leben es wert ist, jede Sekunde da zu sein und wahrzunehmen, innezuhalten. Jedes Gefühl zuzulassen. Man selbst zu sein, sich nicht an anderen zu orientieren. Und glücklich zu sein! Unfassbar glücklich!

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