Silence is the enemy, manchmal zumindest – & Verständnis manchmal auch

Die üblichen Szenarien: Ein Streit, Ungerechtigkeit, eine gemeine Äußerung oder blöde Handlung. Manchmal härter, manchmal schnell wieder abgetan. Aber was, wenn es dazu gar nicht erst kommt?

Friedliebend könnte man sagen. Harmoniebedürftig. Was ganz bestimmt gut ist, denn man muss nicht immer alles auf die Goldwaage legen, alles zu ernst nehmen. Und ein liebevoller Charakterzug ist es allemal, Verständnis zu suchen, für die Umstände aus denen heraus so etwas gesagt oder getan wurde. Ein blöder Tag, vielleicht sogar eine blöde Zeit, ein beruflicher Misserfolg, Probleme irgendwo anders im Leben dieser Person, Schickschalsschläge. Steht dieser Mensch einem nahe, dann tut das nicht weniger weh, aber man weiß um das „warum“ und kann es so vor sich selbst relativieren.

Ziemlich geübt darin, kann ich eines Tages alles rechtfertigen. Jeden Streit, jede Ungerechtigkeit, jede gemeine Äußerung oder  blöde Handlung. Egal wie hart, ist es immer schnell wieder abgetan. Denn ich kenne ja die Ursache und wer weiß, wie ich selbst in dieser Situation drauf wäre. Lieber nicht noch mehr Belastung schaffen, lieber Ventil, lieber still sein.
Mal um Mal nimmt dieses „warum“ nicht nur, angeblich, die andere Person ein, sondern auch mich. Stelle immer mehr von mir zurück, in dem ich mich ohne nachzudenken auf die Seite des anderen schlage. Und wer steht auf meiner Seite? – ist der Gedanke, der mir nicht kommt.

In einem schleichenden Prozess, ungeahnt und unbemerkt, hab ich jetzt also mehr Verständnis für dich als für mich. Wütend bin ich schon gar nicht mehr. Enttäuscht? Nein. Warum? Ich weiß doch, warum du so gehandelt hast. Dass das nichts mit mir zu tun hat.

– denke ich. Aber eigentlich hat es doch etwas mit mir zu tun. Ich bin nämlich eigentlich gar kein Ventil, du stehst mir nur nah. Eigentlich bin ich gar nicht still, sondern wütend, oder enttäuscht, oder traurig.

Was in deiner Welt gerade passiert, tut mir Leid. Und ich bin hier, wenn ich dir helfen kann, dir etwas gutes tun. Aber ich bin nicht hier, wenn du mir nichts Gutes tust, dann bin ich nicht mehr hier. Denn ich kann es dir nicht abnehmen, egal wie sehr du es auf mich projizierst – du wirst nicht leichter, sondern ich nur schwerer.

Niemand muss jeden Tag gleich gut „funktionieren“. Jeder hat seine „Wohlfühl Area“ – diese Menschen, die immer noch da sind, wenn man mal nicht wie gewohnt funktioniert. Aber das ist kein Freifahrschein, den man sich schon vor jeder Handlung selbst ausstellen kann. „Ich habe es ja gerade schwer, dafür werden sie schon Verständnis haben.“ Jede Freiheit hört da auf, wo sie die eines anderen negativ beeinflusst. Gleichzeitig: Wer seine Grenzen, auch mit „Verständnis Spielraum“, nicht klar steckt, der darf sich nicht wundern, wenn diese nicht erkannt oder gar eingehalten werden. Und je öfter man zulässt, dass jemand die eigenen Grenzen einfach überrennt, desto mehr verwischt die Linie, bis man irgendwann selbst nicht mehr weiß, wo sie liegt.

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